Niemand mag Besserwisser
Mit Ratschlägen ist es so, wie mit einem leckeren Dessert. Von der „falschen“ Person serviert, schmeckt es einfach nicht.
„Der Ratschlag kommt von nem 22-jährigen. Was weiß der schon!“
„Der Ratschlag kommt von nem 45-jährigen. Der ist doch nicht auf dem neuesten Stand!“
„Der Ratschlag kommt von einem, der gerade mal 1 Jahr in der Abteilung ist. Der kennt sich doch nicht aus!“
„Der Ratschlag kommt von einem, der schon 15 Jahre in der Abteilung ist. Der hat doch keine Ahnung, wie es anders laufen kann!“
„Was will der mir raten – der trägt nicht mal die Verantwortung, die ich trage!“
„Mir muss niemand etwas sagen. Ich bin der, der die Ratschläge erteilt!“
Und so weiter. Und so weiter. Die Liste mit Gründen, warum man Ratschlage nicht annimmt, kann beliebig fortgeführt werden.
Ich persönlich liebe Desserts… und Ratschläge. Sie zu erteilen, fällt mir leicht. Sie anzunehmen fällt mir deutlich schwerer.
Geht es dir hier ähnlich?
Ich glaube, das liegt auch in der menschlichen Natur. Ohne mich jetzt herausreden zu wollen. Dumm wäre nur, auf keinen einzigen, gut gemeinten Ratschlag zu hören.
Wie oft ist es so, dass wir von unserer Meinung oder unseren Fähigkeiten gnadenlos überzeugt sind. Wir sehen nicht mehr nach links und rechts. Noch schlimmer wird es, wenn es sich dann um Themen handelt, von denen wir denken, wir sind „on top“ – „hier macht mir wirklich niemand etwas vor!“.
Grenzenlose Selbstüberschätzung…
…ist vielleicht ein wenig drastisch formuliert.
Dennoch: Wäre es nicht gerade in solchen Situationen sinnvoll, auch mal andere um deren Einschätzung – ja nach deren Rat zu fragen?
Ich kannte mal jemanden, der jemanden kannte, der wiederrum jemanden kannte, von dem perlten Ratschläge ab wie von einer teflonbeschichteten Pfanne. Auch auf die Einschätzung erfahrener Mitarbeiter hörte diese Person nicht.
Das Resultat?
Nicht nur die Ratschläge, die man dieser Person anbot, wurden immer weniger. Auch die Unterstützung und Hilfestellung reduzierte sich.
Niemand mag Besserwisser!
Auch kritische Themen wurden nicht mehr an die Person herangetragen – sie war ja sowieso „on top“ und über den Dingen.
Das Problem an der Sache: Viele Dinge, die diese Person dann in die Hand nahm, waren nur mehr „gut gemeint“, längst nicht mehr „gut gemacht“.
Ehrliche Ratschläge sind ein Segen. Die Offenheit, seine eigene Sichtweise aufgrund eines Rates in Frage zu stellen, öffnet Raum für neue Perspektiven. Die Entscheidung, nach welchen Kriterien du diesen Ratschlag bewertest und ob du ihn beherzigst, ist nach wie vor dir überlassen. Das aktive Einholen von weiteren Perspektiven und das aktive Anhören von Ratschlägen sollte jedoch ein Pflichtprogramm sein.
Was wirklich zählen sollte, ist die Botschaft, nicht der Botschafter!
Eigentlich genauso, wie mit dem Dessert. Es sollte sich alles um das Dessert drehen – nicht um die Person, die es serviert.
Wie ist dein Verhältnis von angenommenen und abgelehnten Ratschlägen? Und wie unterscheidest du, welchen Ratschlag du annimmst und welchen nicht?
Ist heute vielleicht genau der richtige Tag, um auf einen ehrlich gemeinten Ratschlag zu hören?
Alles beginnt mit dir – du bist nur eine Entscheidung entfernt.
Mit allen guten Wünschen und maximalen Erfolg beim Erreichen deiner Ziele!

