Sei du selbst – nur anders
Wenn es um Leadership geht, dann höre ich oft den Ratschlag: Sei authentisch.
Ok. Danke. Ich bin ab jetzt authentisch. Wie genau?
Authentizität – also das „Echt sein“ soll also dabei helfen, als inspirierende Führungskraft wahrgenommen zu werden.
Ein Beispiel:
08:00Uhr. Teammeeting. Jeder sitzt am Meetingtisch. Chef kommt rein. Die Ergebniszahlen stimmen nicht. Er beginnt zu brüllen. Schuldzuweisungen. Die Faust knallt mehrmals auf den Tisch. Knallroter Kopf.
Ja, ganz normal. Er ist Choleriker. Er ist authentisch. Er ist echt. Inspirierend? Nunja…
Viele nutzen Authentizität, um das eigene Verhalten zu rechtfertigen. Es kommen dann Aussagen wie: „Ich bin halt so.“ oder „Ich will mich nicht verstellen.“. Und damit ist es für sie ok, sich so zu verhalten.
Solche Aussagen sind brandgefährlich. Sie beschreiben einen absoluten Zustand. „Ich bin halt so“ lässt keine Möglichkeit, mich zu verändern.
Auch Aussagen wie „Mein Mitarbeiter ist so.“ steckt den Menschen in eine Schublade, aus der er oder sie nur schwer wieder herauskommt.
Besser sind Aussagen wie „In dieser Situation habe ich entschieden, mich so zu verhalten.“
Das gibt dir Kontrolle über dein Verhalten. Und vor allem: Es lässt Luft nach oben. Dein Verhalten kannst du ändern, verbessern, anpassen. Außerdem war es deine Entscheidung, dich in gewissen Situationen so zu verhalten, wie du dich verhalten hast.
Zudem eröffnet es dir die Chance für eine Entschuldigung im Nachgang „Es tut mir leid, dass ich mich in dieser Situation unangemessen verhalten habe. Ich versuche, das in Zukunft besser zu machen.“
Klingt doch viel echter, als „Ich bin halt so“.
Deswegen nutze ich gerne den Ausdruck Situationsauthentizität. Klingt noch komplizierter, drückt aber aus, was es tatsächlich ist. Die Echtheit deines Verhaltens in gewissen Situationen.
Ich verhalte mich auf der Bühne anders echt, als jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe. Du verhältst dich sitzend vor deinem PC und an einer E-Mail schreibend anders echt, als am Telefon oder im Meetingraum.
Hemd in Shorts
Deutlich wurde das in Zeiten von Homeoffice und Online-Meetings. Genau dann, wenn der Kamera-Bildausschnitt bis maximal zur Gürtellinie ging. Wo beginnt Authentizität – also die Echtheit? Oberhalb oder unterhalb dieser besagten Linie…
Wie interpretierst du Authentizität? Ist es auch für dich in manchen Situationen sehr schwer, dich wirklich „echt“ zu verhalten? Ich freue mich über nen Kommentar.
Mit allen guten Wünschen und maximalen Erfolg beim Erreichen deiner Ziele!

